„Wer Menschheit sagt, will betrügen“

Ob diese Feststellung ursprünglich von Carl Schmitt oder Otto von Bismarck stammt, darüber streiten sich die Geister, es ist eigentlich auch nebensächlich, denn es ist die Botschaft, um die es geht.
Seit einiger Zeit ist zu beobachten, daß es in Politik und Medien fast ausschließlich und in penetranter Weise menschelt.
Während früher bei Stellenabbau in einem Unternehmen soundsoviele Arbeitnehmer entlassen wurden, spricht man im gleichen Zusammenhang heute von Menschen. Wanden sich früher Politiker und Staatsoberhäupter mit ihren Manifesten an das Volk, so sind es heute die Menschen im Lande. Handelte es sich früher in Unfallberichten um Tote oder verletzte Personen, so ist heute von Menschen die Rede, wenn es um die Opfer geht.
Vorbei die Zeiten, wo der Reporter vor Ort den Passanten das Mikro unter die Nase hielt, heute will man die Meinung der Menschen hören.
Was banal und selbstverständlich klingt, hat Methode und geht weit über semantische Moden hinaus.
Die Mehrzahl unserer Politiker, vom kritischen Beobachter meist nur noch als abgehobene Posteninhaber, Nutznießer von Pfründen oder austauschbare Talkshow-Existenzen wahrgenommen, umgibt sich gern mit der Aura des verständigen Philanthropen, weshalb es zweckmäßig erscheint, alle Botschaften mit einem „human touch“ zu garnieren.
So trägt man seine humanitäre Gesinnung zur Schau, wertet sich selbst moralisch auf und versucht die verloren gegangene Nähe zum „kleinen Mann auf der Straße“ wieder herzustellen. Kontaktanbahnungen zur „kleinen Frau auf der Straße“ verbieten sich, weil sie von den allgegenwärtigen, modernen Suffragetten als sexistisch oder diskriminierend angeprangert würden.
Dafür gibt es im politischen Wettbewerb keine Punkte, sondern schlimmstenfalls einen peinlichen #Me-too-Shitstorm, der einen den Listenplatz kosten kann. Doch das nur nebenbei.

Daß der Landtagswahlkampf schon jetzt, in der besinnlichen Adventszeit in seine Frühphase getreten ist, wurde mir bewußt, als mir vor wenigen Tagen im Briefkasten eine Wahlwerbung der SPD beschert wurde.

Die SPD, die sich ihrer Stammwählerschaft, sprich der Arbeiterklasse entledigt hat (oder umgekehrt?), ist dringend auf neue Wählergruppen angewiesen, wenn Sie ihren Trend in die Verzwergung aufhalten will.
Mit einer Ansprache der „Menschen“ ist man da auf der sicheren Seite, damit fühlt sich fast jeder angesprochen, es ist die große, alles umschließende Klammer, in der sich alle wiederfinden können. Insbesondere in Zeiten, wo nicht nur in wirtschaftlicher Hinsicht ein schrankenloser Globalismus dominiert, sondern auch die Bedrohungen der Gegenwart, wie Klimawandel oder Corona-Pandemie, globale Dimensionen mit Endzeitqualität angenommen haben, sollte man nicht kleinlich sein. Menschenrechte, Menschenwürde, der Menschen Schicksal, unter „Menschheit“ geht es nicht, wenn man in der Oberliga der politischen Phrasendrescher mittrommeln will.

Wer im Text der Postwurfsendung nach programmatisch sinnvollen Aussagen oder konstruktiven Zukunftskonzepten sucht, die aufhorchen lassen oder Interesse wecken, wird enttäuscht sein. Im Gegenteil, denn was da inhaltlich geboten wird, ist schriftlicher Ausdruck politischer Infantilität und folgt dem Prinzip der maximalen Belanglosigkeit. Oder anders ausgedrückt: Wenn man mit seiner Botschaft alle erreichen will, muß man auf den Sinn verzichten.

Immerhin erfahren wir, daß der hiesige Spitzenkandidat der SPD für „ehrliche, anständige, ganz normale Menschen, die in der Politik schon lange nicht mehr gehört werden“, einstehen will und sogar „Für Menschen mit Ecken und Kanten, die auch mal Fehler machen.“

Meint er das ernst oder klingt das nur gut, im Sinne von menschlich und verständnisvoll, mit einer starken Prise „human touch“ ?

Wer nach seinem Dafürhalten nicht ehrlich, nicht anständig und nicht ganz normal ist, wer so eckig und kantig ist, daß seine Fehler unverzeihlich sind, das hat der Herr Feiniler Ende Oktober in einer Pressemitteilung der Öffentlichkeit zur Kenntnis gebracht, indem er sich despektierlich über die Querdenker-Bewegung ausgelassen hat.

Nachzulesen hier:
https://www.speyer-kurier.de/politik/kommunalpolitik/artikel/querdenker-bewegung-demonstriert-erneut-in-speyer/

Daß es sich bei diesem Personenkreis überwiegend auch nur um ehrliche, anständige, ganz normale Menschen handeln könnte, die sich bei den maßgebenden politischen Kreisen Gehör verschaffen wollen, weil sie als Konsequenz der Corona-Notstandsmaßnahmen um das Wohlbefinden ihrer Kinder, die Suspendierung zahlreicher Grundrechte oder die katastrophalen wirtschaftlichen Folgen besorgt sind, dazu fehlt dem SPD-Landtagskandidaten entweder der Horizont oder der gute Wille.

Oder wie anders ließe es sich erklären, daß er alle Querdenker und ihre Sympathisanten pauschal als einen „Zusammenschluß von Verschwörungstheoretikern, Coronaleugnern, Aluhutträgern, Rechtsradikalen und Hetzer“ bezeichnet?

Nun, auch dieser Personenkreis – pardon – diese Menschen, werden im März 2021 einen Wahlzettel in Händen halten und sich dann hoffentlich an die SPD und Ihren Kandidaten, den sozialen Menschenfreund Walter F., erinnern.


Matthias Schneider - Bürgerprotest Speyer | ©2018 - Alle Rechte vorbehalten