Rien ne va plus – Nichts geht mehr (vorwärts)

Was haben der Berliner Flughafen, der Bahnhof Stuttgart 21, die Salierbrücke und das WC-Gebäude am Haupteingang zum Speyerer Friedhof gemeinsam? Antwort: Nix wird fertig!

Wie beim Menschen, gibt es auch bei Gebäuden solche, die das Dasein seines Mauerblümchens führen, wegen ihrer Bescheidenheit kaum auffallen, aber im Verborgenen mit architektonischen Reizen aufwarten und daher unter der Obhut der Denkmalschutzbehörde stehen.

Konkret geht es um die öffentliche Bedürfnisanstalt am Haupteingang des Speyerer Friedhofs. Diese wird seit Januar 2019, also nunmehr seit 14 Monaten, renoviert und ist nach wie vor eine Baustelle, deswegen geschlossen und nicht benutzbar.

Einige Speyerer Bürger hatten sich zu Recht bei der Stadtverwaltung beschwert und, nachdem sie von dort weder eine befriedigende Antwort noch einen absehbaren Fertigstellungstermin genannt bekamen, sich an uns, die Wählergruppe Schneider, gewandt.
Mit nachvollziehbarem Verdruß beklagen sich diese Bürger darüber, daß es doch ein Unding sei, für die Renovierung eines schlichten Toilettengebäudes länger als ein Jahr zu benötigen, wobei über viele Monate hinweg überhaupt kein Baufortschritt festzustellen gewesen sei.

Da wir von der Wählergruppe Schneider auch die kleinen Sorgen und Nöte der Speyerer Bürger ernst nehmen, hatten wir kurz vor Weihnachten eine Anfrage an die Stadtverwaltung gestellt, um die Gründe für diese lange Verzögerung in Erfahrung zu bringen.

In der Antwort vom 21. Januar 2020 teilte man uns folgendes mit:

„Die Baumaßnahmen verzögerten sich insbesondere deshalb, weil die Landes-Denkmalschutzbehörde wiederholt Einwände gegen die Planungen der Stadt vorgebracht hat.“

Nachdem ich in den Tiefen meiner Erinnerungen versucht hatte mir das Gebäude vorzustellen und vor meinem geistigen Auge weder der Tempel von Luxor, noch das Kloster Mont-Saint-Michel oder ein anderes  architektonisches Kleinod auftauchen wollte, begab ich mich kurzerhand vor Ort, um das unter dem Schutz der Denkmalbehörde stehende Objekt zu besichtigen.
Das Gebotene war ernüchternd: Ein Flachbau mit drei Türen, ein schmuckloser Bogendurchgang und einige Fenster.

Zwei Anfragen bei der Denkmalschutzbehörde, seitens der Redaktion von SPEYER 24/7 NEWS, was bei diesem schlichten Besucher-WC, dessen gestalterische Raffinesse nur eine Zivilisationsstufe über einem  Plumpsklo einzuordnen ist, blieben bisher unbeantwortet.
Wahrscheinlich weiß die Behörde selbst nicht, warum sie bei der Renovierung dieses Objekts, das nach den nüchternen Maßstäben des gesunden Menschenverstandes kein Denkmal darstellt und angesichts seiner  profanen Zweckbestimmung nur praktischen Nützlichkeitserwägungen unterliegen sollte, Vorbehalte geltend gemacht hat.

Oder die Stadtverwaltung schiebt die Einwände der Denkmalschutzbehörde nur vor, um eigenen Schlendrian zu verschleiern, denn auch die zweite Erklärung für die Baustellenverzögerung überzeugt kaum.
„Bis die Neuplanung einer Renovierung umsetzungsreif und mit der Denkmalschutzbehörde abgestimmt war, wurden weitere Arbeiten vor Ort durch den Umbau der Wormser Landstraße und die Neuverlegung der Hausanschlüsse in dem Bereich unmöglich; diese Arbeiten dauerten bekanntlich bis in den Spätherbst 2019.“

Durch die Dauerbaustelle auf der Wormser Landstraße wurde die Zugänglichkeit des Gebäudes keineswegs  eingeschränkt, denn über das Tor in der Brunckstraße können Fahrzeuge problemlos einfahren.
Immerhin wird die Wiedereröffnung bis Ostern 2020 in Aussicht gestellt, allerdings unter Vorbehalt.

„Allerdings werden demnächst noch weitere Sondierungsbohrungen auf dem Friedhofsgelände im Zusammenhang mit der Grundwasserverunreinigung, die vom ehemaligen Siemensgelände ausgeht und (…) bis zum Steinhäuser Wühlsee ausdehnt, niedergebracht; dies könnte eventuell zu weiteren Behinderungen der Bauarbeiten führen.“

Wir enthalten wir uns weiterer Kommentierungen, denn es ist ohne genauere Erklärungen schwer nachvollziehbar, warum solche Bohrungen die Bauarbeiten an der Toilettenanlage beeinträchtigen könnten.

Eine andere Dauerbaustelle, an der schon über ein Jahr gewerkelt wird,  sind die Haftzellen in der Polizeiinspektion. Diese Räumlichkeiten sind das Gegenteil barocker Prunkentfaltung, an Schlichtheit der Gestaltung und Kargheit des Interieurs kaum zu unterbieten, weshalb sich auch hier die Frage aufdrängt, warum die Renovierung so lange dauert und sich nach einer Meldung der Rheinpfalz vom 29.2.2020 noch bis April hinziehen wird.

Wir wollen hoffen, daß sich die Denkmalschutzbehörde hier nicht im letzten Moment auch noch einschaltet und Untersuchungen anstellt. Denn es steht zu befürchten, daß unter dem Putz eine Höhlenmalerei in Brezelform  auftaucht, ein Relikt aus Urzeiten, als der Homo heidelbergensis  unsere Gegend bewohnte. Dann allerdings wäre mit einer Fertigstellung vor 2050 nicht zu rechnen, was aber egal wäre, weil bis dahin die Erde wegen der Klimaerhitzung geschmolzen ist und die Menschheit im Allgemeinen und speziell  in Speyer keiner Ausnüchterungszellen mehr bedarf.


Matthias Schneider - Bürgerprotest Speyer | ©2018 - Alle Rechte vorbehalten