Der Notstand, die Zierde Deutschlands (Teil 2)

Heute: Der Nazi-Notstand
Im Sommer2015 war den Medien zu entnehmen, daß  die Stadt Dresden von einem linken Aktionsbündnis als „nazifrei“ deklariert wurde. Spontan fühlte ich mich durch den Slogan „Dresden nazifrei“ an den pfälzischen Gauleiter Josef Bürckel erinnert, der angeblich 1940 als Erster stolz nach Berlin meldete die Pfalz sei „judenfrei“. Nun mag man zu Recht einwenden, daß das eine mit dem anderen nicht vergleichbar sei. Aber es offenbart, wie wenig sich hierzulande am Vokabular der Ausgrenzung geändert hat, trotz aller politischen Propaganda für Offenheit, Vielfalt, Toleranz und Demokratie. Zumindest erlaubt dieses Vokabular Rückschlüsse auf die Gehässigkeit und den Fanatismus derer, die auf diese Weise in der Öffentlichkeit ihren Standpunkt vertreten.

Während die anteilnehmenden Kreise im Sommer  2015 erleichtert aufatmen konnten,  daß Dresden als erste Landeshauptstadt  durch zivilcouragierte Säuberungsaktionen „nazifrei“ sei,  hat sich der politische Himmel über der Elbmetropole mittlerweile besorgniserregend verdüstert, genauer gesagt, dunkelbraun eingefärbt.

Als ob die Republik nicht an allen Ecken und Enden schon genügend Notstände verwalten würde,
(s. Teil 1;  https://buergerprotestspeyer.de/2019/08/21/der-notstand-die-zierde-deutschlands/) beschloß der Stadtrat für Dresden am 30.10.2019 den NAZINOTSTAND!

Ein alarmierender und höchst besorgniserregender Tatbestand, der einer Reisewarnung des auswärtigen Amtes in Krisenländer gleichkommt. Einen Besuch der Elbmetropole sollte man vorläufig tunlichst vermeiden, damit man nicht, unter den Stiefelsohlen von im Gleichschritt daher marschierender SA-Kolonnen, niedergetrampelt oder wegen Verweigerung des deutschen Grußes in der Öffentlichkeit, aus erzieherischen Gründen zusammengeschlagen wird.  Womöglich hat die Stadtverwaltung Dresdens in Folge des obwaltenden  Notstandes schon einen Säuberungsbeauftragten oder Nazinotstand-Manger ernannt und eine  Behörde eingerichtet, wo man gegen Gebühr eine Unbedenklichkeitsbescheinigung (ich denke da an ein Dokument ähnlich wie seinerzeit der  Arierausweis) beantragen kann.  Touristen müssen sich vor Antritt eines Stadtbesuches dort melden und einer hochnotpeinlichen Gesinnungsprüfung unterziehen, erst danach erhalten sie einen Passierschein, der  ihnen Bewegungsfreiheit im Stadtgebiet, sowie Zugang zu Museen und öffentlichen Gebäuden ermöglicht.

Die Initiative für die Ausrufung des NAZINOTSTANDES kam von Max Aschenbach, seines Zeichens Ratsmitglied für DIE PARTEI, eine politische Kasperltruppe, die sich selbst als Satirepartei vermarktet und den Ausschluß  jeglicher Ernsthaftigkeit zum Markenkern gemacht hat.
https://www.die-partei.de/regierungsprogramm/

Daß die übrigen Ratsherren und -frauen bei dieser Realsatire mitspielten und mehrheitlich die Ausrufung  des Nazinotstandes absegneten, läßt ernste Zweifel an der geistigen Verfaßtheit der Dresdner Bürgervertreter aufkommen.
Beschlich einen seit etwa 10 Jahren zunehmend das Gefühl, das Land werde überwiegend von inkompetenten, machtgeilen, charakter-  und verantwortungslosen Idioten regiert, so gesellt sich, zu der damit verbundenen Gemütstrübung, soz. als ausgleichende Komponente,  nun eine Note der Heiterkeit hinzu. Neben den schon bekannten  Lobbyisten zahlloser NGO’s, LGBT-Minderheiten und aus der Wirtschaft, dürfen wir in den Reihen der politischen Stichwortgeber und Einflußnehmer zukünftig auch Satiriker, Hofnarren und Pausenclowns begrüßen, Leute also, die normalerweise in Fußgängerzonen als Possenreißer und Gaukler Passanten belustigen. So hat nach Erreichen des postdemokratischen Stadiums und einer nachhaltigen Infantilisierung der Politik, die Bundesrepublik auf ihrem Weg in den Niedergang nun auch die postsatirische Phase eingeleitet.  Zweifellos, wir haben es weit gebracht.


Matthias Schneider - Bürgerprotest Speyer | ©2018 - Alle Rechte vorbehalten