Feindbildpflege in der linken Meinungshöhle

Wer nichts drauf hat und von mangelndem Selbstbewußtsein geplagt wird,  weil er sein freudloses Dasein auf dem Pannenstreifen fristet, ist arm dran. Da ist es vorteilhaft, wenn man zumindest ein wirkmächtiges Feindbild hat. Es kostet kein Geld und an seiner Niedertracht und Verderbtheit man das eigene verkümmerte Ego aufrichten. Aber auch starke Reize nutzen sich irgendwann ab, weshalb Feindbilder der regelmäßigen Pflege und Erneuerung bedürfen.
Diesem Zwecke diente die Veranstaltung vom Speyerer „Bündnis für Demokratie und Zivilcourage“ am 24.9.2019 im Ägidienhaus unter dem langatmigen Titel: „Rechtsextremismus in der Region –  Entwicklung, Zusammenarbeit, Gefahren und was wir dagegen tun können.“

Im Kleingedruckten der Einladung wurde darauf hingewiesen, daß Personen, die der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder schon durch menschenverachtende  Äußerungen in Erscheinung traten, ausgeschlossen sind.
Solcherlei Vorsichtsmaßnahmen haben mehrere Gründe:

1. Man kann man ungestört in Dauerschleife die eigenen, abgedroschenen Phrasen wiederkäuen und  kommt nicht in die Verlegenheit mangels Argumenten bei kontroversen Meinungen und unwillkommenen Fragen dumm dazustehen.

2. Harmonisch vereint unter seinesgleichen, im Stallgeruch der eigenen Meinungshöhle ist es doch viel kuscheliger als zusammen mit Andersdenkenden. Mit Fremdenfeindlichkeit und Mangel an Toleranz hat das nichts zu tun, man ist halt einfach gerne unter sich.

3. Und nicht zuletzt will man die eigene  Zivilcourage nicht überstrapazieren. Die wird in der Selbstdarstellung gerne groß herausgekehrt ist aber in der Realität als Spurenelement kaum auffindbar. Nicht umsonst hat sich bei dem B R E I T E N Speyerer Bündnis keine einzige Person gefunden, die mit ihrem Namen im Impressum der eigenen Info-Handzettel verantwortlich zeichnet.

Wer mit den Attributen rechtsextrem und menschenverachtend belegt war, wurde also nicht in die linke Meinungshöhle eingelassen und auch mir wollte man den Zutritt verwehren. Rechtsradikale Umtriebe und menschenverachtende Äußerungen kann man mir zwar nicht nachweisen, aber weil ich während des Kommunalwahlkampfes am Info-Stand der Wählergruppe Schneider das Grundgesetz beworben hatte, war ich irgendwie konterminiert. Ich hatte Kontaktschuld auf mich geladen. Das ist eine Art Makel, äußerlich nicht sofort erkennbar, eine Mischung aus moralischem Straftatbestand und mangelnder politischer Hygiene. Die Ansteckungswege sind mannigfaltig,  es genügt, wenn man z.B. sein Versammlungsrecht wahrnehmend auf eine patriotische Demonstration geht, einem AfD-ler die Hand schüttelt oder unter seinen FB-Freunden ein NPD-Mitglied identifiziert wird.
Da die Kontaktschuld noch nicht im StGB verankert und mit entsprechenden Strafen gelegt ist, ließen die Türsteher Gnade walten und gewährten mir nach Vorlage meines Presseausweises Eintritt.

Großer Star war Christian Ratz, dessen Expertise darin besteht, daß er schon 15 Jahre als kritischer Beobachter und Fotojournalist im rechtsradikalen Umfeld recherchiert.
Aufklärer wie ihn gibt es in der linken Szene massenhaft. Sie sind als Fotoreporter an allen Kriegsschauplätzen des „Kampfes gegen Rechts“ unterwegs, manche beanspruchen für sich sogar den Rang eines Rechtsextremismusexperten. Letztere wissen nicht nur wie man eine Kamera bedient, sondern können sogar Berichte schreiben und verdienen ihr Brot als Tintenstricher bei einer Zeitung, einem universitären Institut, oder einer parteinahen Stiftung. Der Einsatz als Fotoreporter  ganz vorne im Schützengraben ist hart und entbehrungsreich. Tagein, tagaus , bei jedem  Wetter, fahren sie zu sog. „rechten“ Versammlungen, manchmal sind es sogar Aufmärsche, im Sucher der Kamera Glatzköpfe, Hass und Hetze, im Ohr das betäubende Pfeifengetriller der Gegendemonstranten.
Dem Vuvuzela-Gewitter an vorderster Front folgt die Detektivarbeit zu hause.  Die mit Teleobjektiv geschossenen Fotos der Teilnehmer werden akribisch untersucht und abgeglichen, Querverbindungen hergestellt, Namen und Adressen der Teilnehmer erforscht um Netzwerke zu enttarnen.  Auf Persönlichkeitsrechte nehmen sie keine Rücksicht, Menschenrechte sind für andere da, wer in die Mühlen des „Kampfes gegen Rechts“ geraten ist hofft vergeblich auf Erbarmen, Gefangene werden keine gemacht.  

Die Fotos der enttarnten Nazis, Rassisten, Fremdenfeinde, NPD’ler, Rechtsextremisten, Reichsbürger, Klimaleugner, AfD’ler  – das Böse kennt wie der Teufel viele Erscheinungsformen  –  werden dann auf den einschlägigen Webseiten der linksextremen Szene veröffentlicht. „Nazis auf die Fresse, jeder Nazi hat eine Adresse!“ lautet ein Slogan der selbsternannten Gesinnungswächter. Wer’s zu dolle treibt, dem lauern die rotlackierten SA-Männer von der Antifa dann nächtens mal auf,  in Überzahl und aus dem Hinterhalt natürlich, das Thema Courage hatten wir oben schon abgehandelt.

Doch zurück zu unserer Veranstaltung im Ägidienhaus: Der Einstieg in die Thematik war eine Art Quiz, um die Zuhörer tiefenpsychologisch zu konditionieren.  Zitate von AfD-Politikern und Nazi-Größen wurden abwechselnd verlesen und das Publikum mußte raten, wem diese zuzuschreiben sind. Eine harte Prüfung, denn wer nicht aufpaßt kann unwillkürlich in den Sog des Bösen geraten. Erst vorige Woche polterte der in die Jahre gekommene Schlagersänger  Herbert Grönemeyer in Wien mit brauner Klangfarbe lautstark auf der Bühne und wurde prompt mit Dr. Goebbels im Berliner Sportpalast verwechselt.
Danach folgten mittels Bildwerfer dargebotene Videos und Fotos, von den seit Januar 2018 regelmäßig stattfindenden Kandel-Demonstrationen, anhand derer Christian Ratz die teilnehmenden NPD’ler, AfD’ler, Hooligans, sonstige Bösewichter der rechten Szene und mit Kontaktschuld beladene Teilnehmer namentlich benannte und damit zur Exkommunikation frei gab.

Das Ganze dauerte ca. 2 Stunden und es war den etwa 30 Zuhörern anzumerken, daß die Konfrontation mit dem vermeintlich Bösen Beklemmungen auslöste, die zugrundeliegende Absicht der Feindbildpflege somit erreicht wurde. Beim nüchternen Betrachtern, der sich der von Gruppendruck und Angstpsychosen geschwängerten Atmosphäre entziehen konnte, überwog der Eindruck von schäbigem Voyeurismus gepaart mit politischer Bigotterie. Letzteres insbesondere deshalb, weil der Veranstalter,  zu dessen Markenkern angeblich die ZIVILCOURAGE gehört, ein Fotografierverbot  ausgesprochen hatte.
So sind sie die linksgrünen Helden der Zivilgesellschaft: Andere mit dem Teleobjektiv bespitzeln und öffentlich denunzieren aber selbst kein Gesicht zeigen.
Diese Sorte Mensch ist zeitlos und besonders in Deutschland beheimatet, irgendwie müssen wir mit ihnen leben.


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