Schnüffler gesucht

Wer sich vor einigen Wochen die Stellenangebote in der lokalen Tageszeitung zu Gemüte führte, stieß auf diese großflächige Anzeige, womit der Inlandsgeheimdienst um Nachwuchsmitarbeiter warb.

Offensichtlich bedarf es solcher Rekrutierungsmaßnahmen, weil das Berufsbild des Schlapphutträgers, der im Auftrag des großen Bruders seine Mitbürger ausspäht, Dossiers anlegt, Gesinnungsschnüffelei betreibt und Denunziantentum fördert, eher negativ konnotiert ist. Kein Wunder, denn ähnlich ausgerichtete Behörden hörten hierzulande früher auf die Namen Gestapo oder Stasi, im Ausland kannte man sie als KGB oder Securitate. Und trotz massiver Einflußnahme durch Hollywood-Schinken und einschlägiger Heldenanbetung stehen Organisationen wie MI5,CIA und NSA sogar beim Massenpublikum unter Vorbehalt.

Was hier in Deutschland im Verborgenen konkret „Gutes“ geschah und das Licht der Öffentlichkeit erblickte, sei an wenigen Beispielen erläutert.

In den 80er Jahren wurden auf Weisung des Innenministers, vom Baden-Württembergischen Verfassungsschutz  die REPUBLIKANER unterwandert, mit der Absicht diese Partei in der Öffentlichkeit unmöglich zu machen.
Dazu bediente man sich folgender Methode: In Fussball- und Sportvereinen wurden gezielt  Jugendliche angeworben, die sich durch ein schlichtes Gemüt und einen labilen Charakter hervortaten und indoktrinierte sie mit rechtsradikalem Gedankengut. Nach erfolgreicher Konditionierung schleuste man sie bei den Republikanern ein. 
So machte sich der Verfassungsschutz zum Erfüllungsgehilfen der politischen Machthaber „im Ländle“,  um in deren Sinn das Image der REPUBLIKANER zu beschädigen und einen unliebsamen Konkurrenten auszuschalten. Hat auch geklappt.

Das erste NPD-Verbotsverfahren (2001-2003) wurde eingestellt, weil zu viele der sog. Observationskräfte, auch V-Leute genannt, in der Führungsebene dieser Partei waren.

Beim zweiten Verbotsverfahren rund 10 Jahr später, zog man vorher alle Observationskräfte ab, um nicht den gleichen Fehler zu wiederholen und siehe da, manch ein führender Parteifunktionär schaute sich verduzt um, weil er plötzlich alleine im Kreisvorstand saß.

Mit anderen Worten, die NPD war keine wirklich selbständige Partei, sondern eine Filiale an der langen Leine des Inlandsgeheimdienstes.

Über dem plötzlichen und überraschenden Ableben zahlreicher wichtiger Zeugen in der NSU-Affäre und den Verstrickungen der Inlandsgeheimdienste im gleichen Zusammenhang, liegt momentan noch ein nebulöser Schleier der Ungewissheit.

Zurück in die Gegenwart: Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen widersprach Ende 2018 öffentlich den Lügen der Merkel-Regierung und verortete die Hetzjagden von Chemnitz ins Reich der Märchenerzähler. Hat der Geheimdienstchef nun „Gutes“ getan, wie es in der Stellenanzeige beworben wird?  Man sollte es meinen, die Wahrheit ans Licht zu bringen wird nach allgemeingültigen ethischen Maßstäben immer als positiv bewertet. Jedoch: In Politiker-  und Regierungskreisen (seit einigen Jahre verstärkt auch in Journalistenkreisen) herrschen andere Gesetzmäßigkeiten und diese finden in den abhängigen, sprich weisungsgebundenen Behörden ihren Niederschlag und verschonen sogar höchste Führungskräfte nicht.

Diese bittere Erfahrung mußte auch Herr Maaßen machen, denn er wurde umgehend in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Herr Haldenwang, der neue VS-Präsident,  hat aus der Lektion, die seinem Vorgänger erteilt wurde gelernt und sich freiwillig sofort an die Marionettenfäden der Merkel-Seehofer-Regierung gehängt. Umgehend  blies er zum „Kampf gegen Rechts“ lautstark und öffentlichkeitswirksam ins Horn, indem er die bislang völlig gewaltfrei auftretende „Identitäre Bewegung“ für rechtsradikal erklärte. Zudem wurde pünktlich vor den Europawahlen die AfD zum „Prüffall“ erklärt. Letzteres  passiert hinter den verschlossenen Türen dieser Behörde am laufenden Band. Dies bei einer Partei öffentlich zu tun, hat die Qualität einer Bildzeitungs-Schlagzeile.  Jetzt geht es nicht mehr darum geheimdienstlich zu untersuchen, ob diese oder jene Vereinigung staatsgefährdend ist, sondern darum eine unliebsame Partei beim Wahlvolk flächendeckend zu diffamieren, damit sich die Bürger schämen mit ihr in Verbindung gebracht zu werden und die Beamten von einer Mitgliedschaft Abstand nehmen, weil sie sich um Laufbahn und Pension sorgen müssen.

Doch bevor man Karriere macht, wie es das Werbeplakat verheißungsvoll in Aussicht stellt und vom neuen Behördenleiter Vaseline-schlüpfrig vorgelebt wird, muß sich zuerst in die Niederungen des Tagesgeschäfts seine Sporen verdienen. Wer sich nicht so richtig vorstellen kann, was man da den ganzen Tag treibt und wie entspannt man da im Kollegenkreis miteinander umgeht, dem sei der Spielfilm „Das Leben der Anderen“ empfohlen. Im Vorteil ist wer eine natürliche Veranlagung zu Voyeurismus und weibischer Neugier hat, denn damit ausgestattet macht man sogar dann gut gelaunt Feierabend, wenn der Tag für die Ermittlungsaufgabe nichts Relevantes gebracht hat. Irgendein skurriler Ehekrach oder abartiger Schweinskram ereignet sich immer und verleiht der quälenden Tristesse des Schnüfflerdaseins eine unterhaltsame Würze.

Wer nun trotzdem erwägt beim Verfassungsschutz als „Observationskraft“ anzuheuern, weil er der Illusion nachhängt er könne wie ein James Bond im Verborgenen „Gutes“ tun und der Reihe nach Centerfold-Modells flachlegen, sollte ernsthaft in sich gehen und sein Gewissen tiefgründig prüfen.
Und zwar dahingehend, ob er es auf Anordnung ablegen kann. Beruflich wie privat.


Matthias Schneider - Bürgerprotest Speyer | ©2018 - Alle Rechte vorbehalten