Die Welt retten – nicht mehr und nicht weniger

Wer sich am Freitag, den 5. Juli abends nach Graben-Neudorf in die Pestallozi-Halle begab, anstatt bei drückender Schwüle in einen Biergarten, hatte das zweifelhafte Vergnügen einer Podiumsdiskussion der GRÜNEN beizuwohnen. Frau Andrea Schwarz (w), Mitglied des Baden-Württembergischen Landtags für DIE GRÜNEN hatte unter der Überschrift „Klimawandel – alles nur heiße Luft?“ zu einer Podiumsdiskussion geladen, mit dabei Frau Sylvia Kotting-Uhl (w/MdB) von der gleichen Partei.

Über erstere der Damen erfahren wir aus Ihrem Lebenslauf, daß sie medizinische Fachkraft ist oder war und eine gerechtere Welt verwirklichen will, letztere studierte Germanistik und andere Geschwätzwissenschaften und leitete eine Kinderwerkstatt. Es durfte somit vermutet werden, daß die Mandatsträgerinnen durch autodidaktische Bemühungen die notwendige naturwissenschaftliche Expertise erwarben, um sinnvolle Klima- und Umweltpolitik zu betreiben. Immerhin handelt es sich dabei um ein sehr komplexes Themengebiet, das von erdgeschichtlichen und naturwissenschaftlichen Disziplinen maßgeblich beeinflußt wird.

Als Dritter wurde Dr. Hans Schipper in dieser illustren Runde begrüßt, ein sympathischer Mittdreißiger holländischer Herkunft und Leiter des Süddeutschen Klimabüros. Dieser belegte hinsichtlich Quotenerfüllung eine Doppelfunktion, indem er nämlich als Quotenmann für gendergerechte Ausgewogenheit sorgte und als einzig studierter Naturwissenschaftler einen wesentlichen Beitrag zur Steigerung der Kompetenzquote leistete.
Das Süddeutsche Klimabüro ist Teil des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), welches wiederum als Forschungszentrum der Helmholtz-Gesellschaft angehört.  Somit ist Herr Dr. Schipper Angestellter einer staatlichen Universität, er ist zwar Wissenschaftler aber keinesfalls unabhängig, denn er bekommt sein Gehalt vom Staat. Da er in seinem Alter noch Karriere machen will, dürfte die alte Weisheit: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“ hinsichtlich seiner öffentlichen, klimapolitischen Positionierung den Ausschlag geben.

Wer anfangs noch erwartet hatte, daß trotz dieser Podiumsbesetzung eine halbwegs sachliche, an naturwissenschaftlichen Fakten orientierte Erörterung folgen würde, mußte diese Hoffnung schon bei der Eröffnung  fahren lassen, denn der Moderator  sprach unmittelbar nach den Grußworten im Zusammenhang mit kommunalen Klimazielen von der „CO2-freien Gemeinde“.

Während einzelne Zuhörer solcherlei für einen Scherz hielten und mit spontanen Heiterkeitsaus-brüchen reagierten,  wurde dies von der Mehrheit mit Ernsthaftigkeit  wiederspruchlos hingenommen.
Da jeder Mensch  je nach körperlicher Beschaffenheit und Belastung durchschnittlich ca. 1-3 kg CO2 pro Tag ausatmet und jede Grünpflanze selbiges für Photosynthese und Wachstum benötigt, müßte es sich bei der „CO2-freien Gemeinde“ um eine menschenleere Wüstengegend handeln und auch diese wäre nur dann CO2-frei, wenn man sie luftdicht gegenüber der Umgebung abkapseln könnte.   
Wer solchen Unsinn allen Ernstes öffentlich verzapft, hat sich von der wahren Welt, einschließlich Naturwissenschaften und technischen Sachzwängen verabschiedet und geistig in abgehobene Sphären begeben wo Ideologie und Religion dominieren.
Dagegen ist in einem freien Land grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn diese Wirklichkeitsflucht nur von Einzelnen praktiziert würde, die wie Diogenes in seiner Tonne, der Welt entrückt, ihr Dasein alleine fristen und den Rest der Menschheit in Ruhe lassen. Dem ist aber bei weitem nicht so, denn die politischen Erfolge der GRÜNEN und die Hysterie des modernen Kinderkreuzzuges, dem die heilige Klima-Greta voran marschiert, haben  gesamtgesellschaftliche Dimensionen angenommen.

Bei alledem  geht es den GRÜNEN nicht um ein bißchen weniger oder mehr, sondern um alles oder nichts.

Denn im Verlauf des Abends erfuhren man von Frau Kotting-Uhl, daß wenn nicht sofort rigorose, umfassende und wirksame klimapolitische Maßnahmen umgesetzt werden, sich die gegenwärtige Klimakrise bis 2028 zu einer Katastrophe  ausweiten würde mit irreversiblen Folgen für die ganze Welt und die gesamte Menschheit. Lange Rede kurzer Sinn: Wenn wir so weiter machen wie bisher wird 2028 der Weltuntergang eingeläutet.

Man kann verstehen, daß die wetterbedingten Transpirationen harmlos waren im Vergleich zu den Ausbrüchen an Angstschweiß, die sich angesichts solch düsterer Zukunftsprognosen aus den Poren der Zuhörerschaft ihren Weg bahnten.
Vergessen die Propagandaphrase auf den GRÜNEN Plakaten der Europawahl, wonach sich „eine mutige Gesellschaft keine Angst machen läßt.“ Im Gegenteil, mit Angst regiert es sich am besten, damit kann man die panische Meute im Schweinsgalopp vor sich hertreiben.

Und wohin das Treiben geht wurde klar, als Frau Kotting-Uhl Möglichkeiten für die Lösung oder besser gesagt die Erlösung aufzeigte. 180 Euro pro ausgestoßener Tonne CO2 in Form einer CO2-Steuer wäre nach Ermessen der GRÜNEN berechtigt und notwendig, um die durch Flugreisen, Industrie, Autofahren, kurzum durch alle zivilisatorischen Errungenschaften erzeugten Klimaschäden zu kompensieren.

Wie diese Steuer von  180 Euro pro Tonne ermittelt wurde, wer sie bezahlt und wofür genau, ist bei diesem Ablasshandel nebensächlich. Wichtig ist allein, daß die Bürger diese Steuer bezahlen.
Die Rettung vorm Weltuntergang sollte Motivation genug sein dies klaglos und mit gutem Gewissen zu tun.  Am allerwichtigsten aber dürfte sein, daß dieses Geld dort landet, wo die Regierenden ihren Machterhalt betreiben, die etablierten Parteien ihre Pfründe haben und die Klimaindustrie ihre Profite abschöpft. In diesem Sinne wurde von dem Podiums- Trio die betroffene Zuhörerschaft erfolgreich konditioniert.

Einige hatten sogar ihre Kinder mitgebracht. Ein Vater stellte während der Diskussion seinen etwa neunjährigen Sohn vor,  beklagte die Schwere seiner erzieherischen Aufgabe hinsichtlich Bewußtseinsbildung in Klimafragen angesichts eines in Sichtweite drohenden Weltunterganges.
Die Kleinen, denen man nicht ansehen konnte, ob sie sich gerade zu Tode langweilten oder mit den Verdauungsschwierigkeiten ihres ersten Kindheitstraumas beschäftigt waren, konnten einem leidtun. Wie unbeschwert war im Vergleich dazu meine Kindheit, wo die größten Probleme schlechte Noten, Schulhofhändel und Pubertätspickel waren.

Um die weitgehend homogene Betroffenheitsatmosphäre in der abschließenden Diskussionsrunde nicht zu stören, wurde peinlich darauf geachtet, daß Wortmeldungen von „Klimaleugnern“, die schon während des Podiumsvortrages durch kritische Kommentare oder abfälliges Gelächter unangenehm aufgefallen waren, geflissentlich übersehen wurden.

Nachspiel:
Eine anwesende Stadträtin der Wählergruppe „Aufbruch Bruchsal“ empfand diese Veranstaltung  wegen ideologischer Überfrachtung bei gleichzeitiger Unausgewogenheit der vorgebrachten Standpunkte als unbefriedigend für einen wahren Erkenntnisgewinn. Sie entschloß sich daher zum gleichen Thema eine Veranstaltung  in Bruchsal zu organisieren, bei der ein ausgewiesener Kritiker der Klima-und Energiepolitik mit einem kompetenten Vertreter der GRÜNEN auf Augenhöhe und sachlicher Basis diskutieren sollte.

Eine diesbezügliche Anfrage an die Vorsitzende der GRÜNEN-Fraktion  im Bruchsaler Gemeinderat wurde wie folgt beantwortet:

„Sehr geehrte Frau S.,
entschuldigen Sie die späte Antwort,…

Wir gehen jedoch nicht auf Podien anderer Gruppierungen, Fraktionen oder Parteien, denn wir sehen keinen Sinn darin, bekannte grüne Positionen bei politisch anders denkenden Gruppen zu wiederholen. Wir machen auch selbst Infoveranstaltungen, laden dazu jedoch keine anderen politischen Parteien auf unsere Podien.  

Danke für Ihr Verständnis…
Ruth Birkle
für die Fraktion Grüne/Neue Köpfe“

So liest sich der Offenbarungseid derer, die zu einem sachlichen Austausch von Argumenten und Meinungen nicht Willens oder in der Lage sind.

Diese Haltung wurde am 5. Juli bei der Veranstaltung der GRÜNEN in der Pestalozzi-Halle vorgelebt. Es handelte sich nicht um eine Podiumsdiskussion im eigentlichen Sinne, sondern inhaltlich um einen Monolog, vorgetragen von zwei ideologisch Gleichgesinnten und einem von politischen Vorgaben abhängigen Wissenschaftler, die sich harmonisch die Bälle zuspielten.

Insofern kann die Frage, unter welches das Motto des Abends gestellt wurde, zweifelsfrei bejaht werden. ALLES  NUR  HEISSE  LUFT!  


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