Die Ritter der Schwafelrunde

Wenn man Probleme lösen will, muß man deren Ursachen bekämpfen. Diese alte und jedermann einleuchtende Weisheit ist den politischen Eliten auf der Flucht vor den Realitäten abhanden gekommen.
Durch eklatante, dauerhafte Gesetzesmißachtungen und weltfremde Fehlentscheidungen wurden  Probleme in gesamtgesellschaftlichen Dimensionen geschaffen, die früher oder später alle Bereiche des öffentlichen Lebens beeinträchtigen.

Erst dann, wenn persönlich unangenehm betroffen, wacht auch der allerletzte deutsche Schlafmichel auf, reibt sich verwundert die Augen und sagt: „Das wollte ich nicht.“

Aber jetzt hat sich ein Folgeproblem  so ausgewachsen, daß es bis hinauf in den Elfenbeinturn der Rheinland-Pfälzischen Landesregierung reicht und die Verantwortlichen zu Aktionismus zwingt.

Behördenmitarbeiter, sprich Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes, werden in Ausübung ihrer Dienstpflichten seit einigen Jahren verstärkt bedroht, beleidigt und tätlich angegriffen.

https://www.feuerwehrmagazin.de/wissen/gewalt-gegen-rettungskraefte-wie-reagiert-die-feuerwehr-auf-angriffe-67641

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bonn/stadt-bonn/Stadt-Mitarbeiter-in-Bonn-klagen-%C3%BCber-rabiate-Kunden-article3499318.html

https://www.wp.de/region/sauer-und-siegerland/staedtische-mitarbeiter-beschimpft-beleidigt-attackiert-id213488193.html

Das Internet ist randvoll mit Meldungen dieser Art.

Bereits seit 2015 (merkwürdig – ausgerechnet in diesem Jahr?) wurden zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeitern*innen umgesetzt, so lesen wir auf der offiziellen Seite der Landesregierung.

https://www.rlp.de/de/buergerportale/aktionstage-keine-toleranz-fuer-gewalt-gegen-beschaeftigte-im-oeffentlichen-dienst/

Beim einfachen Bürger, dem sog. „Pack“ ist das der Obrigkeit relativ egal. Das Pack hat zu arbeiten, Steuern zu zahlen und das Maul zu halten. Werden welche vom Pack ins Koma getreten, sexuell belästigt oder sogar abgemessert, dann ist das ein bedauerlicher Einzelfall. Schlimm ist daran nur, daß böse Rechtspopulisten das instrumentalisieren könnten. Bester Beweis, daß diesbezüglich die Strafverfolgung  zur Schrumpfstufe verkommen ist, ist die Ahndung der Straftaten aus der Kölner Silvesternacht. Von den Tätern der über 600 angezeigten Sexualdelikte, wurden bis heute gerade mal 3 (in Worten drei) verurteilt.

Aber bei Behördenmitarbeitern ist das was anderes, denn die sind der verlängerte Arm der Obrigkeit. Da sitzen die Erfüllungsgehilfen, die die ganzen Gesetzesverstöße und Rechtsbeugungen durchwinken müssen, teils aus Opportunismus, Karrierestreben oder schierer Angst ihren bequemen Bürojob und Pensionsansprüche zu verlieren.  Und auf der untersten Stufe, da sitzen diejenigen, die im direkten Kontakt mit den „Menschen“ aus aller Herren Länder, aus fremden Kulturkreisen, gescheiterten Staaten, Bürgerkriegsregionen, wo seit Jahrzehnten Krieg, Unterdrückung und Faustrecht herrschen, ihre Arbeit erledigen müssen. In den besonderen Fällen der Feuerwehrleute, Rettungssanitäter und Ärzte geht es dabei nicht nur um Umsetzung von Verordnungen, sondern um Menschenleben. Dabei werden sie  beschimpft, bedroht, bespuckt und tätlich angegriffen. Bereicherung dieser Art macht keinen Spaß, da ist dann schnell schluß mit lustig.
Wenn die Behördenmitarbeiter anfangen der Obrigkeit  die Gefolgschaft aufzukündigen, dann beginnt das System in seinen Grundfesten zu wackeln. Und deshalb ist  in der Landesregierung Alarmstufe Rot und Landesmutter Malu Dreyer hat die Aktionstage „RESPEKT. BITTE!“ ins Leben gerufen.
https://www.rlp.de/de/buergerportale/aktionstage-keine-toleranz-fuer-gewalt-gegen-beschaeftigte-im-oeffentlichen-dienst/

Offensichtlich halten die tonangebenden Politkreise das Wort RESPEKT für eine Universal-Zauberformel zur Lösung aller Gesellschaftsprobleme der Gegenwart.
Respekt!-Schilder werden an allen Ecken und Enden der Republik an die Wand genagelt, begleitet von selbstgefälligen Enthüllungsritualen.
Respekt fordern lauthals die Vertreter der Asyllobby und meinen damit insbesondere mehr Teilhabe für alle Schutzsuchenden.
Respekt ist auch jedem Exoten der LGTB-Minderheit zu entbieten, andernfalls steht man unter Diskriminierungsverdacht.
„Respekt Alda oder haue Fresse!“ fordert  selbstbewußt der junge Mann mit Migrationshintergrund von denen, die schon länger in diesem Land leben und ihn durchfüttern.  
Respekt , so tönt es allerorten bei Tag und Nacht, jeder erhebt  Anspruch darauf, immer und überall, Respekt für alles und jeden, ob verdient oder nicht ist scheißegal – Hauptsache Respekt!
Lautstärke, Penetranz und Allgegenwart mit denen er hierzulande gefordert wird, sind ein deutlicher Hinweis, daß dafür ein großer, gesamtgesellschaftlicher Bedarf herrscht. Früher war das anders; Respekt  war nur für wenige vorgesehen, sog. Respektspersonen oder die Erbringer respektabler Leistungen. Stattdessen bekam man in der Schule und im Elternhaus Eigenschaften anerzogen, die für Angehörige eines Kulturvolkes  selbstverständlich sein sollten, nämlich Achtsamkeit, Höflichkeit, Rücksichtnahme, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft.
Obwohl die Politikerkaste ständig auf der Suche nach gemeinsamen „Werte“ ist, die den Laden zusammenhalten, sind die Selbstverständlichkeiten des guten Anstandes in besorgniserregendem  Maße in Vergessenheit geraten.

Im Behördenalltag  scheint die Situation inzwischen so katastrophal, daß die drangsalierten Mitarbeiter auf die Barrikaden gehen und jetzt durch die Aktionstage „RESPEKT. BITTE!“ bei Laune gehalten werden müssen.
Schaut man sich die Terminleiste und „Aktionen“ an, so stellt man schnell fest, daß sich die Politiker einbilden sie könnten die Probleme mit wohlfeilem Geschwätz wegmoderieren. Wie oft eigentlich noch?

Minister, Staatsekretäre und berufene Politprominente machen Besuche, Gesprächsrunden und Stuhlkreise. Als Ritter der Schwafelrunde reisen sie durch die Lande und betreiben Goodwill-Aktionismus, verströmen Lippenbekenntnisse, hören den Betroffenen zu, zeigen Verständnis für deren Probleme und versprechen, daß alles besser wird.
Problemlösung auf Talkshow-Niveau, Worte statt Taten. Nun, wenn man die Ursachen nicht benennt,  weil es sich um Probleme handelt, die auf das eigene Politikversagen zurückzuführen sind und darum politisch korrekt  tabuisiert werden, dann sollte man sich nicht wundern, wenn der Erfolg ausbleibt.
Eine verantwortungslose Politikerklasse hat die Geister gerufen, die sie so einfach nicht mehr los wird, auch nicht mit dem Zauberwort –Respekt!


Matthias Schneider - Bürgerprotest Speyer | ©2018 - Alle Rechte vorbehalten